Sättigung von Systemdienstleistungen in Deutschland: Lehren aus Großbritannien
Sättigung von Systemdienstleistungen in Deutschland: Lehren aus Großbritannien
Deutschlands Frequenzmärkte werden rasant durch Batterien umgestaltet. Über alle batterierelevanten Dienstleistungen hinweg beschaffen die ÜNBs rund 4,5 GW Kapazität. 90 % davon entfallen auf die automatische Frequenzreserve (aFRR).
Bei knapper Kapazität erzielen flexible Anbieter hohe Renditen. Doch je mehr Batterien sich qualifizieren, desto kleiner werden diese Knappheitsmargen – und die Preise sinken. Das haben wir bereits anderswo gesehen: In Großbritannien sanken die Einnahmen aus Frequenzdienstleistungen 2023 um 73 %, als das Angebot die Nachfrage überstieg.
Da sich in Deutschland ein ähnlicher Druck aufbaut, ist es entscheidend zu verstehen, wie und wann die aFRR-Preise unter Druck geraten. Batterien müssen so ausgelegt, gehandelt und finanziert werden, dass sie flexibel über verschiedene Märkte hinweg eingesetzt werden können – und nicht nur vom frühen Systemdienstleistungs-Boom profitieren.
Für weitere Informationen zu diesem Thema wenden Sie sich gerne an die Autorin – cosima@modoenergy.com.
Warum das jetzt wichtig ist: vorqualifizierte BESS nähern sich der gesamten aFRR-Nachfrage
Aktuell sind rund 580 MW Batteriekapazität für aFRR in Deutschland vorqualifiziert – etwa 30 % aller in Betrieb befindlichen BESS.
Die gesamte BESS-Kapazität wird bis Ende 2026 auf 5,7 GW steigen. Wenn nur 35 % dieser Flotte aFRR-fähig sind, reicht das bereits aus, um die von den ÜNBs beschafften 2 GW Kapazität zu decken.
Mit dem Markteintritt weiterer Batterien steigt der Wettbewerb und die Preise geraten unter Druck.
Dieses Muster ist bei Frequenzdienstleistungen bekannt. In Großbritannien kam der Wendepunkt Ende 2022.
Lehren aus Großbritannien: Überangebot bei Frequenzdiensten drückte die Preise Richtung Batteriekosten-Untergrenze
2022 erzielten Batterien in Großbritannien über £150.000/MW/Jahr. 2023 lagen die Einnahmen nur noch bei rund £50.000/MW/Jahr.
Der Rückgang folgte auf ein Überangebot an Frequenzkapazität, das die Clearingpreise in allen Dienstleistungen senkte.
Was führte zum Überangebot?
Außergewöhnlich hohe Erlöse aus Systemdienstleistungen im Jahr 2022 lösten eine Welle von Kurzzeitprojekten aus – meist Ein-Stunden-Systeme, optimiert für Frequenzregelung – und erhöhten die gesamte BESS-Kapazität in Großbritannien bis Q4 2022 auf 2 GW.
Der Markt wurde mit kostengünstigen Anbietern überschwemmt, was die Margen schrumpfen ließ. Diese Kurzzeit-Batterien eigneten sich gut für hochleistungsfähige Frequenzregelung, konnten aber weniger Energie in den Spotmärkten verschieben, wo Erlöse von Dauer und Durchsatz abhängen. Als die Preise für Systemdienstleistungen fielen, bedeutete ihre begrenzte Flexibilität einen starken Rückgang der Renditen.
Dynamic Containment Low (DCL): Sättigung in der Praxis
Ein nützlicher Indikator für Sättigung ist das Überbauverhältnis – verfügbare BESS-Kapazität (MW) geteilt durch die Gesamtnachfrage der Dienstleistung (MW).
Der DCL-Markt in Großbritannien zeigt, wie schnell die Preise fallen können, sobald das Überbauverhältnis 1,5 überschreitet.
Strategische Lehren für BESS
- Wenn das Überbauverhältnis 1,5–2,0 erreicht, nähern sich die Frequenzpreise den Opportunitätskosten der Batterien an.
- Kurzzeit-Systeme profitieren bei knapper Versorgung. Doch in gesättigten Märkten sind längerfristige Speicher besser positioniert, um in den Handel zu wechseln und Erträge zu sichern.
Das aFRR-Marktdesign in Deutschland unterscheidet sich von Großbritannien, aber die Grundlagen sind gleich: Mit dem Eintritt weiterer kostengünstiger Anbieter sinken die Preise. Deutschland kann von diesen Trends in reiferen Märkten lernen – und sicherstellen, dass Assets über ihren gesamten Investitionszeitraum hinweg Wert schöpfen, nicht nur zu Beginn bei Knappheit.
Deutschland: zwei aFRR-Märkte, die unterschiedlich von BESS beeinflusst werden
Funktionsweise des deutschen aFRR-Marktes
aFRR besteht aus zwei Märkten:
- Kapazität (aFRRc): vergütet die Verfügbarkeit (€/MW/h) und wird in Day-Ahead-Auktionen als Pay-as-bid abgerechnet.
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