Was ist Behind-the-Meter-Speicherung und wie funktioniert sie für die Industrie in Deutschland?
Was ist Behind-the-Meter-Speicherung und wie funktioniert sie für die Industrie in Deutschland?
Eine Behind-the-Meter (BTM) Batterie befindet sich auf der Kundenseite des Netzanschlusses, oft direkt bei einem industriellen Verbraucher. Anstatt eine Batterie mit einer Erzeugungsanlage zu koppeln, ist es für viele Gewerbe- und Industriekunden (C&I) vorteilhaft, eine Batterie an ihrem Laststandort zu installieren. Doch der gemeinsame Netzanschlusspunkt bestimmt, was die Batterie leisten kann und wie sie Geld verdient.
In Deutschland liegt der Hauptnutzen einer Behind-the-Meter-Batterie derzeit nicht im Großhandel oder in Regelenergiemärkten, sondern bei den Netzentgelten. Große Industrieverbraucher zahlen bis zu 90 % weniger Netzentgelte, wenn sie ein konstantes Lastprofil einhalten – eine Batterie kann helfen, dieses Profil zu glätten. Da Netzentgelte bei vielen Industriebetrieben etwa 40–50 % der Stromkosten ausmachen, übersteigen die Einsparungen bei den Netzentgelten jegliche Arbitragegewinne am Großhandelsmarkt deutlich. Doch während der Regulierer diese Rabatte überarbeitet, rücken andere Einsatzmöglichkeiten der Batterie stärker in den Fokus: günstigen Strom für den Eigenverbrauch zu nutzen, an Regelenergiemärkten teilzunehmen und das Lastprofil so zu formen, wie es die nächste Regulierungsrunde bevorzugt.
Wichtige Erkenntnisse
- In Deutschland erzielt eine BTM-Batterie ihre Einnahmen derzeit hauptsächlich durch Netzentgelt-Einsparungen, nicht durch Großhandels- oder Regelenergiemärkte.
- Standorte mit konstantem Lastprofil können die Netzentgelte um bis zu 90 % senken, was einen starken Anreiz bietet, mit einer Batterie das Profil zu glätten.
- Die AgNes-Reform wird diesen Bandlast-Rabatt abschaffen und stattdessen Flexibilität belohnen – das Geschäftsmodell verändert sich.
- Batterien bleiben auch im neuen System relevant, aber die Rentabilität wird erst nach der Reform klar. Die Vorteile von BTM-Batterien im Großhandel und Regelenergiemarkt bleiben die Basis.
Netzanschluss und Lastprofil bestimmen die Möglichkeiten der Batterie
Eine eigenständige Batterie hat einen eigenen bidirektionalen Anschluss. Sie lädt, wenn die Preise niedrig sind, speist bei hohen Preisen ins Netz ein und nutzt die Preisdifferenz. Eine Behind-the-Meter-Batterie hat diese Freiheit nicht, kann aber für Gewerbe- und Industriekunden trotzdem sehr wertvoll sein.
Die meisten BTM-Anschlüsse sind unidirektional. Die Batterie kann aus dem Netz laden, aber nicht zurückspeisen. Die Entladung dient also ausschließlich dem Eigenverbrauch und hat keinen Zugang zum Großhandelsmarkt. Ein Standort kann einen Antrag auf einen bidirektionalen Anschluss stellen, benötigt dafür aber die Zustimmung des Netzbetreibers, was Jahre dauern kann. Viele Industriebetriebe mit eigener Solaranlage oder Erzeugung haben bereits einen bidirektionalen Netzanschluss. Mit einer Batterie kann daraus ein Knotenpunkt für Erzeugung, Last, Speicherung und Netzanschluss werden.
Auch mit unidirektionalem Anschluss ist Energiearbitrage möglich, allerdings nur im Rahmen des Lastprofils des Standorts. Bei konstantem Verbrauch kann die Batterie ähnlich wie bei bidirektionalem Anschluss agieren: Sie lädt bei den niedrigsten Preisen und entlädt bei den höchsten. Der Opportunitätswert, während teurer Stunden keinen Strom aus dem Netz zu beziehen, entspricht theoretisch dem Wert der Einspeisung. Wird jedoch in diesen teuren Stunden keine Energie benötigt, entfällt dieser Wert.
Die Anschlussleistung stellt eine weitere harte Grenze dar. Das Laden erhöht die Last zusätzlich zum ohnehin bestehenden Verbrauch. Ein Standort, der nahe an seiner Anschlussgrenze arbeitet, benötigt möglicherweise einen größeren Anschluss, um während der günstigsten Stunden laden zu können – das erfordert eine weitere Genehmigung und eine Baukostenzuschuss (BKZ)-Zahlung. Vor diesem Hintergrund wird die Batteriegröße zum entscheidenden Faktor, um den Ertrag aus Anschlusskapazität und Lastprofil zu optimieren.
Regelenergie-Zugang ist asymmetrisch oder technisch komplex
BTM-Batterien können weiterhin bereitstellen, aber das Lastprofil schränkt sie ein. Einige Industriebetriebe in Deutschland erbringen bereits aFRR, abhängig davon, wie kritisch die Zeitpunkte für ihre Prozesse sind. Können sie innerhalb von fünf Minuten heruntergefahren werden, ist dies eine lukrative Einnahmequelle. Theoretisch könnten BTM-Batterien auch bei weniger flexiblen Lasten helfen, dafür gibt es aber bisher wenig Beispiele.
Sign up to read this article for free
Unlimited access to our free articles
Monthly access to 3 Global Research articles
Benchmarks, Forecasts, Ko and more





