Neue Spielregeln für Batteriespeicher: So wirken sich Netzentgelte ab 2029 aus - Q&A
Neue Spielregeln für Batteriespeicher: So wirken sich Netzentgelte ab 2029 aus - Q&A
Wer vor dem 4. August 2029 eine Batterie ans Netz bringt, spart sich bisher für 20 Jahre die Netzentgelte. Doch dieses Privileg läuft bald aus. Die Regulierungsbehörde hat bereits deutlich gemacht: Eine dauerhafte Befreiung von Netzentgelten für Batteriespeicher ist nicht haltbar.
Das sorgt für Unruhe. Viele Projektentwickler versuchen aktuell, ihre Speicher noch vor August 2029 ans Netz zu bringen, um die Gebührenfreiheit zu sichern. Die Angst: Nach diesem Datum könnten Netzentgelte den Business Case erheblich verschlechtern.
Aber was aktuell entsteht, ist kein einfaches “Zurück zur Kostenpflicht”, sondern ein komplett neues Netzentgeltsystem, das neue Spielregeln für Speicher schaffen wird.
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht derzeit Schritt für Schritt neue Positionspapiere, in denen sich das künftige Regime langsam, aber deutlich abzeichnet. Klar ist: Netzentgelte sollen künftig nicht nur den Netzausbau finanzieren, sondern gezielt das Verhalten von Flexibilität steuern – Speicher inklusive.
Das eröffnet neue Chancen. Speicher können sich künftig nicht nur über Marktpreise optimieren, sondern auch über Netzwert. Und wer flexibel genug ist, profitiert vom System, statt darunter zu leiden.
1. Die wichtigsten Fragen für Batterieentwickler
Müssen Batterien nach 2029 Netzgebühren zahlen?
Nach der Bundesnetzagentur - ja. Die BNetzA hat klargemacht, dass die aktuelle Ausnahmeregelung nicht dauerhaft bestehen bleibt. Mit dem wachsenden Anteil von Batteriespeichern im Stromsystem sollen auch sie künftig einen Beitrag zu den Netzkosten leisten.
Aber der finale Beschluss steht noch aus: mögliche Übergangsregelungen oder Änderungen zur methodischen Ausgestaltung werden noch diskutiert.
Welche Netzentgelte kommen voraussichtlich auf standalone-Batterien zu?
Ab 2029 müssen Betreiber mit einem neuen, deutlich komplexeren Entgeltsystem rechnen. Geplant ist ein dreiteiliges Modell:
- Netzanschlussgebühr (BKZ) bleibt bestehen. Wie bisher fällt sie einmalig beim Anschluss an.
- Finanzierungstarife werden aufgespalten in:
- Kapazitätsentgelte, die auf die maximale Anschlussleistung bezogen sind. Hier soll es eine Wahlkomponente geben: Betreiber können also entscheiden, welche Leistung sie „reservieren“ und entsprechend zahlen.
- Arbeitspreise, die auf den tatsächlichen Energiefluss bezogen sind – allerdings nur auf den Netto-Eigenverbrauch der Batterie, also im Wesentlichen auf RTE-Verluste (als sogenannter Saldierungstarif). Wird mehr Energie verbraucht als die gewählte Kapazität erlaubt, droht ein Strafaufschlag.
- Dynamische Netzentgelte sollen neu und separat eingeführt werden und könnten zum Gamechanger werden:
- Diese Tarife gelten für jede geladene oder entladene kWh.
- Entscheidend: Sie können auch negativ sein. Batterien, die netzdienlich laden oder entladen, könnten künftig Einnahmen statt Kosten generieren.
Was bedeuten die neuen Netzentgelte für das Geschäftsmodell von Batteriespeichern?
Die gute Nachricht: Das neue Entgeltsystem muss nicht zwangsläufig eine Belastung sein. Für manche Projekte könnten die Änderungen sogar zusätzliche Einnahmequellen eröffnen.
Der tatsächliche Einfluss hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab.
- Wie hoch sind Kapazitäts- und Arbeitspreise letztendlich?
- Wie viel lässt sich durch Optimierung rund um die dynamischen Tarife verdienen?
In Szenarien mit niedrigen Finanzierungsentgelten und für Batterien mit hohem Standortwert (z. B. bei Netzengpässen) könnten Batteriespeicher am Ende sogar besser dastehen als heute.
Andererseits kommt es ohne den Uplift der dynamischen Entgelte zu 3–10 % niedrigeren Erlösen, je nach Höhe der angelegten Netzentgelte.
2. Entgelte mit Finanzierungsfunktion erhöhen die OpEx
Was ist die Logik hinter Saldierungstarifen und wie wirken sie sich aus?
Das Grundprinzip: Nur der Eigenverbrauch der Batterie (RTE-Verluste) wird mit finanzierenden Netzentgelten belegt, nicht die gesamte geladene oder entladene Energie. Speicher werden damit anderen Verbrauchern gleichgestellt.
Was das finanziell bedeutet, hängt hauptsächlich vom Arbeitspreis und seiner Entwicklung in Zukunft ab: Auf Höchst- und Hochspannungsebene sind die Netzentgelte laut Prognosen bis 2030 weitgehend stabil. Unsicher bleibt jedoch, ob der Bund die derzeitigen Entlastungen langfristig weiterfinanziert.
- Ohne Subventionen läge der Preis für 2026 bei rund €66.50/MWh. Wenn Netzentgelte stabil bleiben, können wir einen ähnlichen Preis in der Zukunft vermuten.
- Mit Subventionen liegt der Preis näher bei €28.60/MWh.
- Ca. 150MWh/MW/Jahr als Eigenbedarf der Batterie
- €4.3k–10k/MW/Jahr Netzentgelte, je nach Höhe der Netzentgelte
- Das entspricht etwa 3–8 % geringeren Einnahmen.
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