Modo Energy präsentiert: Warum es so schwierig ist, erneuerbare Energien in New York auszubauen
Modo Energy präsentiert: Warum es so schwierig ist, erneuerbare Energien in New York auszubauen
Modo Energy präsentiert ist eine neue Dokumentarserie über das Geschäft mit Energie – und die Mechanismen der Strommärkte. Jeder Film nimmt sich ein reales Problem des Stromnetzes vor, folgt dem Geld, der Physik und der Politik, und erklärt (in klarer Sprache), warum „einfach mehr erneuerbare Energien bauen“ oft zu kurz greift.
Ansehen: Warum ist es so schwierig, erneuerbare Energien in New York auszubauen?
Unsere erste Folge führt nach New York: ein Bundesstaat mit einigen der ambitioniertesten Klimaziele in den USA – und einigen der schwierigsten Rahmenbedingungen.
In diesem Film erklärt Peter Berini (Director of Industry bei Modo Energy), warum es besonders schwierig ist, Strom zu dekarbonisieren: Elektrizität muss in Echtzeit erzeugt und geliefert werden – und im Gegensatz zu den meisten Rohstoffen können wir sie (noch) nicht langfristig in großem Maßstab speichern.
Diese physische Realität trifft auf New Yorks Geografie, Institutionen und Anreizsysteme.
Das Gesetz von New York schreibt 70 % erneuerbaren Strom bis 2030 und 100 % CO₂-freien Strom bis 2040 vor. Doch 2026 wirken diese Ziele zunehmend unrealistisch: Fast die Hälfte des Stroms stammt weiterhin aus Erdgas, und der Ausbau der erneuerbaren Kapazitäten hinkt deutlich hinterher.
Warum also tut sich New York so schwer beim Ausbau neuer erneuerbarer Energien?
Die Antwort ist nicht einfach. Es sind drei Faktoren: Technologie, Bürokratie und Wirtschaftlichkeit.
Diese Dokumentation dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar.
1) Technologie: Das Netz ist durch Physik – und durch Flächen – begrenzt
Das Stromnetz von New York ist zweigeteilt:
- Upstate: viel Fläche, viel saubere Erzeugung (Wasserkraft, Kernenergie, Wind, Solar).
- Downstate (NYC und Umgebung): enorme Nachfrage, wenig Platz und alte Gaskraftwerke, die schwer zu ersetzen sind.
Selbst wenn im Norden mehr Wind- und Solaranlagen gebaut werden, bleibt der Energietransport nach Süden das Nadelöhr.
Stromleitungen sind nicht unendlich. Peters Vergleich ist einfach: Sie sind wie Wasserrohre, mit einer begrenzten Menge an „Durchfluss“.
Und neue „Rohre“ zu bauen, ist langsam und teuer:
- Millionen Dollar pro Meile.
- Trassen über Privatgrundstücke, Schutzgebiete, indigene Territorien und durch viele Ebenen der Lokalverwaltung.
Das Ergebnis: Selbst wenn saubere Erzeugung vorhanden ist (oder sein könnte), kann das Netz sie nicht immer dorthin liefern, wo und wann sie gebraucht wird.
2) Bürokratie: Die Interconnection Queue ist das Nadelöhr für Projekte
An Entwicklerinteresse mangelt es in New York nicht. Aber der Weg zur Genehmigung ist einer der langsamsten im Land.
NYISO (New York Independent System Operator) betreibt das Netz – quasi der „Fluglotse für Strom“. Seine Aufgabe ist Zuverlässigkeit: Wenn man den Schalter umlegt, geht das Licht an.
Einer der größten Engpässe ist die Netzanbindung: der Prozess, neue Solar-, Wind- und Batterieprojekte ans Netz zu bringen. Dieser Prozess läuft über eine Interconnection Queue – im Grunde eine Warteliste.
Im Dezember 2025 befanden sich ~27 GW saubere Energieprojekte in der Warteschlange. Das ist mehr als die etwa 20 GW, die New York bis 2030 braucht – doch die überwiegende Mehrheit wird nie gebaut werden. Menge ist nicht gleich Lieferung. Projekte stehen vor:
- Hohen Anzahlungen für den Eintritt in die Queue.
- Machbarkeitsstudien und Umweltprüfungen.
- „Cluster Studies“ (komplexe Netzmodellierungen zur Ermittlung der Ausbaukosten).
Das Problem: Netzanschluss-Upgrades können einen enormen Anteil der Gesamtkosten eines Projekts ausmachen.
Die Kosten für den Netzanschluss können in besonders belasteten Bereichen der NYISO-Queue bis zu 60 % der gesamten Investitionskosten ausmachen – Projekte, die auf dem Papier rentabel erscheinen, werden dadurch praktisch nicht finanzierbar.
Kein Wunder, dass die meisten Projekte scheitern: „Ich würde sagen, mehr als 90 % der Projekte schaffen es nicht bis zum kommerziellen Betrieb.“
3) Wirtschaftlichkeit: Selbst „gebrauchte“ saubere Energie rechnet sich nicht immer
Selbst wenn ein Projekt Netzanbindung und Genehmigungen übersteht, kann die Wirtschaftlichkeit scheitern.
Die Baukosten in New York sind strukturell höher
Staatlich geförderte Verträge für erneuerbare Energien verlangen oft höhere Lohnstandards und arbeitsplatzbezogene Ausbildungsregeln. Das schafft lokale Arbeitsplätze – erhöht aber die Baukosten im Vergleich zu Bundesstaaten wie Texas.
Marktdesign kann erneuerbare Energien und Speicher unterbezahlen
Kapazitätsmärkte (Vergütung für die Verfügbarkeit bei Spitzenlasten) belohnen nicht immer die schwankende Einspeisung wie konventionelle, steuerbare Kraftwerke. Solar ist zum Beispiel während der abendlichen Spitzen (ca. 18–21 Uhr) am wenigsten hilfreich.
Und für Batteriespeicher: New Yorks Markt ist darauf ausgelegt, extreme Preisschwankungen zu vermeiden – gut für Verbraucher, aber schwierig für die Finanzierung von Speicherprojekten.
Politische Unsicherheit: Offshore-Wind-Turbulenzen erhöhen das Risiko
New Yorks Dekarbonisierungsplan setzt stark auf Offshore-Wind – aber Schwankungen der Bundespolitik können Investitionen schnell ausbremsen. Der Film zeigt, wie abrupte Kurswechsel (Leasingpausen, Rechtsstreitigkeiten, Kehrtwenden) Unsicherheit schaffen, die sich auf Finanzierung und Lieferketten auswirkt.
Was New York von Texas lernen kann (ohne Texas zu werden)
Ein häufiger Vergleich in der Folge ist zwischen ERCOT (Texas) und NYISO.
Texas hat traditionell einen „anschließen und dann managen“-Ansatz: Erst anschließen, dann Engpässe und Ausbauten nach und nach regeln. Das kann den Ausbau beschleunigen – verlagert aber das Risiko und führt zu Staus und Abregelungen, wenn der Netzausbau nicht mithält.
Die zentrale Frage für New York ist nicht, ob es ein saubereres Netz will – das will es –, sondern ob der aktuelle Prozess das erforderliche Tempo liefern kann.
Peters Urteil zu 70 % erneuerbaren Energien bis 2030 ist eindeutig: „Keine Chance. Nicht im Entferntesten.“
Doch es geht nicht um Schwarzmalerei, sondern um Klarheit: Ehrgeiz ohne Umsetzungsmechanismen bleibt nur eine Pressekonferenz.
Wichtige Erkenntnisse (für Investoren, Entwickler und Politik)
- New Yorks Problem ist strukturell: Flächenmangel im Süden, Netzengpässe zwischen Regionen und überalterte Infrastruktur.
- Netzanbindung ist der Engpass: hohe Kosten + lange Zeiträume + unklare Anforderungen = Projektsterben. Im Dezember 2025 standen über 27 GW saubere Energie in der NYISO-Warteschlange – das entspricht Milliarden an Entwicklerkapital.
- Marktanreize sind entscheidend: Saubere Anlagen brauchen verlässliche Einnahmestrukturen, nicht nur Zielvorgaben.
- Politische Volatilität erhöht die Kapitalkosten: Unsicherheit verzögert Projekte, selbst wenn der Bedarf klar ist.
FAQ
Warum funktioniert New Yorks Plan für saubere Energie nicht?
Weil New York mit einer Kombination von Einschränkungen kämpft: wenig Fläche in der Nähe von NYC, Engpässe beim Stromtransport zwischen Nord und Süd, ein langsamer und teurer Netzanbindungsprozess und Marktwirtschaft, die Projekte nicht immer finanzierbar macht.
Was ist die CLCPA?
Der Climate Leadership and Community Protection Act ist New Yorks Klimagesetz von 2019. Es schreibt 70 % erneuerbaren Strom bis 2030, ein emissionsfreies Netz bis 2040 und Klimaneutralität bis 2050 vor. Diese Ziele machen die aktuelle Lücke bei der Umsetzung so problematisch.
Ist New York auf Kurs, seine CLCPA-Ziele zu erreichen?
Nein. New Yorks eigener State Energy Plan 2025 räumt ein, dass keines der modellierten Szenarien das Ziel von 40 % Emissionsreduktion bis 2030 erreicht. Das Büro des Comptroller berichtet seit zwei Jahren in Folge, dass der Staat über drei Jahre im Rückstand ist.
Was ist NYISO?
NYISO ist der New York Independent System Operator – die Organisation, die das Stromnetz von New York betreibt und Systeme (einschließlich Netzanbindung) verwaltet, um Zuverlässigkeit, Versorgung und Nachfrageausgleich zu gewährleisten.
Was ist die NYISO Interconnection Queue und warum ist sie wichtig?
Das ist der Prozess und die Warteliste für neue Erzeugung (Wind, Solar, Speicher), die geprüft und genehmigt werden muss, bevor sie ans Netz darf. In New York umfasst dies Machbarkeits- und Clusterstudien und kann hohe Ausbaukosten auslösen.
Wie schneidet die NYISO Interconnection Queue im Vergleich zu anderen ISOs ab?
Schlecht, nach den meisten Kriterien. ERCOT-Projekte brauchen im Schnitt zwei bis drei Jahre von Antrag bis Netzanschluss; NYISO-Projekte sechs Jahre oder mehr. NYISO, PJM, SPP und ISO-NE zeigen Aussetzungsraten von 46–79 % bei Interconnection Agreements, gegenüber etwa 20 % bei ERCOT, CAISO und MISO. Das Problem ist nicht einzigartig für New York – aber New York hat weniger Spielraum für Fehler.
Warum ist es so schwierig, neue Stromleitungen in New York zu bauen?
Die erneuerbaren Ressourcen liegen im Norden. Die Nachfrage ist im Süden. Die bestehenden Leitungen sind ausgelastet. Neue zu bauen, kostet Millionen pro Meile und die Genehmigung kann über ein Jahrzehnt dauern. Im Dezember 2024 wurde das 11-Milliarden-Dollar-Projekt Clean Path NY wegen steigender Kosten abgebrochen. Ohne neue Leitungen nützt der Ausbau im Norden wenig.
Was ist mit New Yorks Offshore-Wind-Programm passiert?
Es steckt in ernsten Schwierigkeiten. Im Juli 2025 beendete die Public Service Commission den Planungsprozess für bis zu 8 GW Offshore-Wind nach New York City, da die Bundesregierung neue Genehmigungen gestoppt hatte. Im Februar 2026 sagte NYSERDA die fünfte Offshore-Wind-Ausschreibung komplett ab. Genau solche politischen Schwankungen blockieren die Finanzierung.
Wie beeinflussen New Yorks Energiemärkte die Batteriespeicherung?
Das Marktdesign in New York begrenzt Preisschwankungen, auf die Speicher angewiesen sind, um Gewinne zu erzielen. Als Ausgleich hat NYSERDA das Index Storage Credit-Programm eingeführt, das bis 2030 6 GW Speicher im Netz anstrebt. Anfang 2026 sind im NYISO weniger als 300 MW in Betrieb.
Über Modo Energy präsentiert
Modo Energy präsentiert ist unser Dokumentarbereich: globale, vor Ort recherchierte Berichte, die erklären, wie Strommärkte wirklich funktionieren – und warum die Energiewende an manchen Orten gelingt und anderswo stockt.
Wenn Sie im Bereich Energiefinanzierung, Entwicklung, Politik oder Netzbetrieb arbeiten, ist diese Serie für Sie gemacht: weniger Schlagworte, mehr Mechanismen.
Demnächst: weitere Markt-Analysen – und mehr Orte, an denen es nicht um „erneuerbare versus fossile Energien“ geht, sondern um Warteschlangen, Leitungen, Verträge und Anreize.




