19 February 2026

MACSE-Strafen: Tausch von Marktrisiko gegen Ausführungsrisiko

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MACSE-Strafen: Tausch von Marktrisiko gegen Ausführungsrisiko

​MACSE-Verträge beseitigen das Marktrisiko, indem sie feste Einnahmen garantieren. Diese Sicherheit geht jedoch mit strengen Verpflichtungen für Bau und Leistung einher. Werden diese Verpflichtungen nicht erfüllt, werden finanzielle Strafen verhängt, die durch Bankgarantien abgesichert sind.

Strafen gelten bei:

  • Lieferausfällen vor Inbetriebnahme: Projekte, die nicht liefern, zurückziehen oder beendet werden.
  • Leistungsdefiziten: Nichterfüllung der Anforderungen bei Energiekapazität, Entladeleistung, Ladeleistung oder Effizienz.

Alle Strafen werden auf Basis der Reserveprämie, dem Auktionspreisdeckel von 37.000 €/MWh/Jahr, berechnet, während Projekte im Durchschnitt nur mit 13.000 €/MWh/Jahr bezuschlagt wurden. Diese Diskrepanz macht die Strafen im Verhältnis zu den vertraglich vereinbarten Einnahmen besonders gravierend.

Lieferausfälle führen zu erheblichen Strafen

Projekte werden bestraft, wenn sie nicht liefern, sich freiwillig zurückziehen oder von Terna beendet werden. Terna kann Verträge bei betrieblichen oder finanziellen Verstößen während der Bau- oder Lieferphase kündigen.

Die Strafen berechnen sich aus der zugesagten Kapazität multipliziert mit der Reserveprämie und dem zweijährigen Planungszeitraum (bzw. einem Jahr bei vorzeitigem Rückzug).

Diese Struktur ist angesichts der ohnehin knappen Margen besonders hart. Bei einem 100-MWh-Projekt führt ein Lieferausfall zu einer Strafe von 7,4 Millionen € – fast sechs Jahre vertraglicher Einnahmen. Betreiber sind zudem doppelt exponiert: Fällt das Projekt aus, verlieren sie nicht nur ihre Investition, sondern müssen auch die Strafe zahlen.

Degradation erfordert aktive Gegenmaßnahmen, um hohe Strafen zu vermeiden

Sobald ein Projekt online ist, drohen Betreibern Strafen, wenn sie die Leistung bei vier Kennzahlen nicht erfüllen: Energiekapazität, Entladeleistung, Ladeleistung oder Effizienz. Terna berücksichtigt normales Altern und erlaubt, dass die angegebenen Kapazitäts- und Effizienzziele jährlich um 1 % sinken dürfen.

In der Praxis altern Batterien jedoch deutlich schneller. Bei 0,5 Zyklen pro Tag beträgt das Leistungsdefizit nach zehn Jahren etwa 13 %, während bei täglichem Zyklieren am MACSE-Maximum von 1 Zyklus/Tag das Defizit fast 20 % erreicht. Diese Defizite führen zu kontinuierlichen Strafen, besonders in Kombination mit betrieblicher Nichtverfügbarkeit.

Die Kosten unbehandelter Degradation sind erheblich. Eine 100-MWh-Batterie mit maximaler MACSE-Nutzung akkumuliert über 15 Jahre rund 16,3 Millionen € an Strafen – das entspricht 84 % der vertraglichen Einnahmen von 19,5 Millionen €. Selbst bei vorsichtigen 0,5 Zyklen pro Tag erreichen die Strafen noch 8,2 Millionen €, also 42 % der Einnahmen.

Viele Betreiber überdimensionieren die Kapazität oder planen Nachrüstungen, um dieses Risiko zu managen, was jedoch zusätzliches Kapital erfordert und die ohnehin knappen Margen weiter schmälert.

Das Strafensystem der MACSE verstehen

Wie sich Leistungsstrafen aufsummieren, hängt von drei Faktoren ab: einem Schutzpuffer, steigenden Multiplikatoren und einer jährlichen Obergrenze.

Terna stellt einen Puffer bereit, aber er ist begrenzt

Betreiber erhalten 1800 straflose Stunden pro Fünfjahresvertrag, was 15 vollen Tagen Nichtverfügbarkeit pro Jahr entspricht. Das deckt die typische betriebliche Nichtverfügbarkeit von etwa 5 % ab.

Entscheidend ist, dass die Zulage anteilig für teilweise Nichtverfügbarkeit zählt: Eine Batterie mit 90 % Kapazität verbraucht nur 0,1 Stunden des Puffers pro Betriebsstunde, was den Puffer effektiv für kleine Degradationsdefizite nutzbar macht.

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