15 April 2026

Video: Warum werden Windparks in Schottland dafür bezahlt, abzuschalten?

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Video: Warum werden Windparks in Schottland dafür bezahlt, abzuschalten?

Beschreibung:
Schottische Windparks erzeugen fast die Hälfte der Windenergie Großbritanniens, doch im Jahr 2025 erhielten die Betreiber dort 350 Millionen Pfund, um ihre Anlagen abzuschalten. Gleichzeitig gab Großbritannien über eine Milliarde Pfund aus, um Gaskraftwerke hochzufahren und so den Ausfall zu kompensieren. Die Gesamtrechnung: 1,35 Milliarden Pfund. Und diese Kosten werden direkt an die Verbraucher über die Stromrechnung weitergegeben.

Warum also kommt es in Großbritannien zu so viel Windabschaltung – und warum wird das Problem immer größer?

Das ist die Geschichte der Netzengpässe: Was sie sind, warum sie entstehen und warum ihre Lösung eine der dringendsten Herausforderungen auf dem Weg zu sauberer Energie ist. In dieser Dokumentation beleuchten wir die Infrastruktur- und Marktprobleme hinter dem Curtailment-Problem: die Engpässe zwischen Schottland und England, die bestimmen, wie viel saubere Energie nach Süden fließen kann; die Netzgrenzen B4 und B6, an denen die Engpässe am gravierendsten sind; die Rolle des National Energy System Operator (NESO) beim Echtzeit-Management des Netzes; und warum Gas bei Engpässen immer noch Batterien schlägt.

Außerdem stellen wir die drei möglichen Lösungswege vor – und erklären, warum keiner davon einfach ist.

Das ist der Grund, warum Großbritannien dafür bezahlt, Wind abzuschalten – und was wirklich nötig wäre, um das zu beenden.

Unsere Experten sind Robyn Lucas, Head of GB bei Modo Energy, und Ed Porter, Director EMEA & APAC bei Modo Energy. Gemeinsam erläutern sie:

  • Warum Schottland fast die Hälfte der britischen Windenergie erzeugt – sie aber nicht nach Süden liefern kann
  • Was im NESO-Kontrollraum passiert, wenn ein Engpass auftritt
  • Warum die Abschaltkosten von einigen Hundert Millionen im Jahr 2018 auf heute 2,7 Milliarden Pfund gestiegen sind
  • Warum Batterien Gas noch nicht ersetzt haben
  • Welchen Beitrag Investitionen in Übertragungsnetze, Speicher und Markt-Reformen leisten könnten

Kapitel:
0:00 Warum Großbritannien dafür bezahlt, Wind abzuschalten
0:54 Das Windproblem Schottlands erklärt
1:36 Was ist ein Netzengpass?
1:57 Die B4- und B6-Grenzen
2:44 Im NESO-Kontrollraum
3:21 Warum Gas die Lücke füllt und wie Batterien ins Bild passen
4:35 Die doppelte Kostenstruktur der Abschaltung
5:17 Wie volatile Gaspreise das Problem verschärfen
6:10 Sind 30–40 % Abschaltung normal?
6:30 Lösung 1: Mehr Übertragungsleitungen bauen
7:10 Lösung 2: Mehr Speicher und Flexibilität
7:47 Lösung 3: Markt-Reform
8:35 Fazit

Musik lizenziert über Artlist.

Stockmaterial lizenziert über Pond5 (via Everly).

Dieses Video dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar.

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​Transkript:
Wenn Sie sehen, dass Windparks heruntergefahren und Gaskraftwerke hochgefahren werden, ist es nur natürlich, sich zu fragen: Moment mal, was passiert hier eigentlich? Das kostet uns 1,4 Milliarden Pfund pro Jahr. Aber das Problem ist nicht die Windenergieerzeugung. Das Problem ist, dass das Netz nicht ausgebaut ist, um die Windenergie dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird – nämlich in den Süden.
Im Jahr 2025 wurden schottische Windparks mit 350 Millionen Pfund dafür entschädigt, dass sie abgeschaltet wurden. Zur gleichen Zeit zahlte Großbritannien über eine Milliarde Pfund, um Ersatzstrom – meist aus Gas – zu produzieren. Insgesamt belief sich die Rechnung auf 1,35 Milliarden Pfund.
Diese Kosten werden an die Verbraucher weitergegeben. Tatsächlich machen die Windräder vielleicht genau das, wofür sie gebaut wurden – nämlich abzuschalten, wenn zu viel Windenergie im System ist. Wie kam es dazu? Beginnen wir mit der Erzeugung.
Schottland ist eine der windreichsten Regionen Europas. Dort wurden fast 15 Gigawatt Windleistung installiert – das entspricht etwa der Hälfte der gesamten britischen Windflotte. Die in Schottland erzeugte Windenergie wird über Übertragungsleitungen nach Süden in die großen Verbrauchszentren – Städte wie London, Birmingham und Manchester – transportiert.
Die Leitungen zwischen Schottland und dem restlichen Großbritannien können zu jedem Zeitpunkt rund sechs Gigawatt übertragen. An windreichen Tagen können schottische Windparks jedoch zehn Gigawatt produzieren. Vier Gigawatt saubere Energie bleiben ohne Abnehmer. Das Netz stößt auf einen sogenannten Engpass.
Ein Engpass bedeutet, dass versucht wird, mehr Strom durch eine Leitung zu leiten, als sie tatsächlich transportieren kann. Würde man dies zu lange machen, würde die Leitung beschädigt. Um solche Engpässe zu managen, müssen Stromerzeuger – in diesem Fall schottische Windparks – gedrosselt, also abgeschaltet werden.
Das Stromnetz ist durch Übertragungsgrenzen unterteilt – unsichtbare Linien auf der Landkarte, an denen die Leitungen zum Flaschenhals werden. Die wichtigste Grenze zwischen Schottland und England heißt B6, aber die schlimmsten Engpässe gibt es derzeit weiter nördlich, innerhalb Schottlands. Die meisten Engpässe treten in Schottland auf, besonders im Norden. Die Grenze B4, im Norden Schottlands, liegt hinter vielen Onshore-Windparks und einigen Offshore-Anbindungen – dort entstehen die meisten Engpässe.
Wenn mehr Windstrom durch diese Grenzen fließen will, als die Leitungen transportieren können, muss jemand eingreifen. Eine Organisation löst diese Engpässe in Echtzeit: Der National Energy System Operator – NESO – ist dafür verantwortlich, dass in ganz Großbritannien immer das Licht brennt. Wenn ein Engpass auftritt, sieht der Systemoperator im Kontrollraum, dass an einer Stelle zu viel Strom erzeugt wird.
Wenn das zum Beispiel in Schottland der Fall ist – sagen wir, es werden drei Gigawatt erzeugt, aber es können nur zwei Gigawatt über die Grenze transportiert werden – muss die Erzeugung in Schottland um ein Gigawatt gedrosselt werden, und ein Gigawatt Ersatzstrom muss südlich der Grenze bereitgestellt werden. Das Windkraftwerk erhält die Anweisung: Leistung reduzieren. Nun entsteht eine Lücke. Ersatzstrom wurde bisher meist von flexiblen Gaskraftwerken bereitgestellt, die so lange laufen können, wie der Engpass besteht – oft acht bis zwölf Stunden, manchmal sogar tagelang.
Heute konkurrieren Batterien mit Gas. Sie können einen Teil des abgeschalteten Stroms abdecken, haben aber eine begrenzte Laufzeit. Eine Batterie liefert vielleicht zwei Stunden Strom, ein Gaskraftwerk kann viel länger laufen. Batterien können jedoch auf beiden Seiten des Engpasses helfen – sie speichern überschüssigen Strom hinter der Grenze und geben ihn vor der Grenze wieder ab.
Bisher dominierte Gas. Batterien sind günstiger, aber ihre kürzere Laufzeit und technische Einschränkungen bei der NESO-Steuerung verhindern ihren vollen Einsatz. Bei Engpässen denkt man schnell, jemand mache einen Fehler – Wind sollte nicht abgeschaltet, Gas nicht hochgefahren werden. Doch tatsächlich tut jede Komponente genau das, was der Systemoperator vorgibt.
Hohe Engpasskosten sind eher ein Designproblem des Systems oder Folge fehlender Übertragungskapazitäten. Jedes Mal, wenn Wind abgeregelt wird, entstehen zweigeteilte Kosten.
Teil eins: Der Windpark wird für den Strom entschädigt, den er nicht verkaufen konnte. Das ist kein Bonus, sondern ein Ausgleich. Die meisten modernen Windparks arbeiten mit einem sogenannten Contract for Difference, das ihnen einen festen Preis pro erzeugter Energie garantiert.
Werden sie zur Abschaltung angewiesen, stellen sie dem Systembetreiber die entgangenen Erlöse in Rechnung. Dies ist außerhalb ihrer Kontrolle und wird entsprechend ausgeglichen – das ist der kleinere Teil der Kosten. Der größere Teil entfällt auf den Ersatzstrom, der eingeschaltet werden muss, und dieser Preis schwankt mit dem Weltmarktpreis für Gas.
Wenn wir Gas zur Engpassbewältigung nutzen, bitten wir die Gaskraftwerke, sich einzuschalten – zu einem Preis, der vom Gas- und CO2-Preis abhängt. Diese Preise können stark schwanken. Ein Krieg im Nahen Osten etwa lässt die Gaspreise weltweit steigen – und damit auch unsere Ausgleichskosten. Die Kosten für das Engpassmanagement sind explodiert.
Das ist ein großes Risiko für die Energiewende. In der Öffentlichkeit entsteht der Eindruck, dass erneuerbare Energien sehr teuer sind – schließlich sieht man nur: Wind abschalten kostet ein Vermögen. Wir erzeugen saubere Energie, bauen Infrastruktur – und schalten sie wieder ab. Wozu das Ganze?
Studien zeigen: Ein effizientes Netz kann mit etwa 5 % Abschaltung erneuerbarer Energie rechnen. Das aktuelle Problem ist also gravierend. In Schottland werden derzeit 30 bis 40 % des erzeugten Windstroms abgeregelt – ein erheblicher Engpass, der das System ineffizient macht.
Wie lässt sich die Windabschaltung reduzieren und das Netz effizienter machen? Großbritannien hat drei Möglichkeiten:
Erstens: Mehr Übertragungsleitungen bauen – mehr Kabel, mehr Kapazität. Aber neue Leitungen brauchen bis zu zehn Jahre und müssen strategisch geplant werden. Wird B4 – also der Norden Schottlands – ausgebaut, verlagert sich das Problem an die nächste Grenze B6 weiter südlich.
Es ist wie bei Schleusen im Kanal: Das Wasser fließt weiter, stößt aber an die nächste Schleuse. Also müssten auch im Süden Schottlands neue Leitungen gebaut werden.
Zweitens: Mehr Speicher und Flexibilität schaffen. Werden Batterien auf beiden Seiten des Engpasses eingesetzt, können die Kosten für Abschaltungen sinken und günstige, saubere Energie wird nicht vergeudet. Batterien laden bei Windüberschuss und entladen, wenn das Netz Strom braucht. So kann der Stromfluss über die Grenze gesteuert werden, ohne große neue Leitungen zu bauen.
Auch Langzeitspeicher und flexible Nachfrage helfen dabei.
Drittens: Reform oder Neugestaltung des Marktes. Aktuell reagieren Erzeuger in ganz Großbritannien auf ein einheitliches Preissignal – unabhängig davon, wo der Strom gebraucht wird oder ein Überschuss herrscht. Eine lokale Preisgestaltung würde den Erzeugern echte Anreize geben, wo sie bauen und erzeugen. Dieses System ist nicht neu – in Texas, Kalifornien und anderen US-Bundesstaaten gibt es das bereits.
Die britische Regierung hat eine komplette Reform erwogen, sich aber vorerst für eine Anpassung des bestehenden Marktes entschieden. Ziel ist, dass der reformierte nationale Preis besser auf regionale Unterschiede reagiert. Wie das konkret aussieht, bleibt abzuwarten. Es könnte sein, dass man zu einem zonalen System zurückkehrt, falls die Reform nicht ausreicht.
Das Windpotenzial ist vorhanden. Die Technik funktioniert. Aber das Energiesystem der Zukunft wird auf einem Netz gebaut, das für die Vergangenheit gemacht wurde. Schottlands Wind ist nicht das Problem.
Er ist die Lösung. Großbritannien hat nur noch nicht die Infrastruktur gebaut, um ihn zu nutzen.

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