Wie PJM seinen Kapazitätsmangel angeht: Backstop-Auktionen, Connect and Manage, BYONG und Interconnection-Reform
Wie PJM seinen Kapazitätsmangel angeht: Backstop-Auktionen, Connect and Manage, BYONG und Interconnection-Reform
Im Dezember blieb die PJM-Kapazitätsauktion 2027/2028 um 6,6 GW unter dem Zuverlässigkeitsziel und erreichte gleichzeitig das administrativ festgelegte Preislimit (333,44 $/MW-Tag). Damit war es bereits die zweite Auktion in Folge, die am Preisdeckel abschloss, nach der Auktion 2026/2027. Diese Ergebnisse deuten auf einen Markt hin, in dem die Stromnachfrage schneller wächst als das Angebot.
Rechenzentren treiben dieses Ungleichgewicht voran. Die Langfristprognose von PJM für 2025 sagt bis 2030 ein Spitzenlastwachstum von 32 GW voraus. Rechenzentren machen 94 % dieses Anstiegs aus. Stilllegungen von Erzeugungsanlagen, Verzögerungen beim Netzanschluss, Genehmigungsverfahren und weitere Einschränkungen haben dazu geführt, dass das Angebot nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann.
PJM und politische Entscheidungsträger haben mit mehreren Strategien reagiert: Notfall-Backstop-Auktionen zur Beschaffung neuer Kapazitäten, Reformen für große Verbraucher, die das Risiko von Abschaltungen mit BYONG-Anreizen („Bring Your Own New Generation“) kombinieren, und neue Möglichkeiten beim Netzanschluss, um Projekte schneller ans Netz zu bringen. Die meisten dieser Vorschläge benötigen die Zustimmung der FERC und werden frühestens in einigen Monaten umgesetzt.
Für Batterieentwickler könnten die Reformen von PJM neue Chancen eröffnen. Backstop-Auktionen, BYONG-Anreize und neue Anschlusswege belohnen Projekte, die schnell in Betrieb gehen können. Ähnliches gilt für Solarenergie, allerdings ist die Rechnung hier weniger günstig: Für die gleiche Zuverlässigkeit im Netz benötigt Solaranlagen deutlich mehr Nennleistung als Gas- oder Batteriespeicher, weshalb sie von vielen Reformen weniger profitieren dürften.
Wichtige Erkenntnisse:
- Die Trump-Regierung und die PJM-Gouverneure haben eine Backstop-Auktion mit 15-Jahres-Verträgen vorgeschlagen, um 15 Milliarden Dollar in neue Erzeugung (7,5 GW bei Capex-Annahmen von 2.000 $/kW) zu investieren – finanziert ausschließlich durch Rechenzentren. PJM hat zudem vorgeschlagen, seine eigene Backstop-Auktion vorzeitig auszulösen, um das Defizit zu schließen.
- PJM schlägt außerdem vor, dass große Verbraucher (ab 50 MW), die keine eigene Erzeugung mitbringen, bei Zuverlässigkeitsereignissen abgeschaltet werden können. Umgekehrt sollen große Verbraucher, die am BYONG-Programm teilnehmen, von kürzeren Wartezeiten beim Netzanschluss profitieren.
- Die Reliability Resource Initiative (RRI) hat 11.793 MW an baureifen Projekten ausgewählt, die PJM in den Transition Cycle 2 des Netzanschlussprozesses aufgenommen hat. PJM möchte weitere Projekte über Surplus Interconnection Services (SIS), den Expedited Interconnection Track (EIT) und Übertragungen von Capacity Interconnection Rights (CIR) beschleunigen.
Welche Backstop-Auktionen sind vorgeschlagen?
Im Januar 2026 wurden zwei parallele Backstop-Mechanismen vorgestellt. Beide zielen darauf ab, mehr Kapazität zu beschaffen, als die reguläre Auktion liefert.
Der Vorschlag der Regierung
Die Trump-Regierung, gemeinsam mit einer parteiübergreifenden Koalition der PJM-Gouverneure unter Führung von Pennsylvanias Josh Shapiro, veröffentlichte am 16. Januar 2026 eine "Grundsatzerklärung".
Der Vorschlag sieht eine einmalige Notfall-Backstop-Auktion mit 15-jährigen Kapazitätsverträgen zur Unterstützung des Baus von ca. 15 Milliarden Dollar an neuer, regelbarer Erzeugung vor. Die Kosten werden zu 100 % von Rechenzentren über Take-or-Pay-Verpflichtungen getragen.
Die Koalition strebt eine Auktion bis September 2026 an. Dieser Zeitplan ist ehrgeizig, da allein die FERC-Genehmigung in der Regel 6–12 Monate dauert.
Der Vorschlag von PJM
Ebenfalls am 16. Januar hat der PJM-Vorstand das Personal angewiesen, den bestehenden Backstop-Mechanismus zur Zuverlässigkeit zu beschleunigen. Laut PJM-Tarif werden Backstop-Maßnahmen normalerweise nach drei aufeinanderfolgenden Auktionsdefiziten ausgelöst. Der Vorstand hat beschlossen, diesen Prozess sofort nach dem Defizit 2027/2028 einzuleiten. Erste Vorschläge wurden am 22. Januar 2026 im Mitgliederkomitee vorgestellt.
Versorgungsunternehmen (LSEs), die aufgrund zusätzlicher Last in ihrem Versorgungsgebiet einen Mangel aufweisen, würden die Kosten tragen. Diese LSEs können dann entscheiden, wie sie die Kosten an die großen Verbraucher weitergeben, die das Defizit verursachen.
Ähnlich wie beim staatlich geführten Backstop-Vorschlag wäre auch hier eine Einreichung und Genehmigung durch die FERC erforderlich.
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Welche Regeln bestimmen künftig den Anschluss großer Verbraucher?
Parallel zur Backstop-Auktion wurde auf dem Treffen am 16. Januar ein neuer Rahmen für die Integration großer Verbraucher geschaffen, um bestehende Kunden zu schützen. Der Ansatz kombiniert verpflichtende Abschaltungsrisiken mit freiwilligen Anreizen. Der Vorstand hat das PJM-Personal beauftragt, beide erforderlichen Tarifänderungen bei der FERC einzureichen. Ziel ist die Umsetzung Ende 2026.
Die „Peitsche“: Connect and Manage
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