Strategie zur Digitalisierung der Energie – was bedeutet das?
Strategie zur Digitalisierung der Energie – was bedeutet das?
Im Juli 2021 veröffentlichten BEIS und Ofgem „Digitalisierung unseres Energiesystems für Netto-Null: Strategie und Aktionsplan 2021“. Darin wird ein übergeordneter Fahrplan für die Energiebranche vorgestellt, um die Netto-Null-Ziele zu erreichen. Dies soll durch Digitalisierung und eine stärkere Integration bislang verstreuter Daten geschehen.
Der Plan hebt hervor, dass Daten und Digitalisierung „entscheidend“ sind, um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen. („Digitalisierung“ bezeichnet die Umwandlung einer Branche durch die Einführung digitaler Lösungen.) Es wird vorgeschlagen, dass Digitalisierung BEIS und Ofgem ermöglichen wird:
Wettbewerbsfähige Märkte zu unterstützen.
Wirtschaftliche Chancen zu nutzen.
Neue, kohlenstoffarme Technologien auszuschöpfen.
Dieser Artikel behandelt folgende Themen:
Warum Digitalisierung?
Aktuelle Hürden
Was ist die Lösung?
Fazit
(An dieser Stelle sei angemerkt, dass der Plan verständlicherweise vage bleibt. Die Vorhaben befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium und enthalten daher wenig konkrete Strategien oder politische Details. Wir haben versucht, die wichtigsten Punkte und übergeordneten Ziele des Plans möglichst knapp zu erklären und uns auf die voraussichtlichen nächsten Schritte der Beteiligten – BEIS, Ofgem, Innovate UK – zu konzentrieren.)
1. Warum Digitalisierung?
Die Bedeutung von Datenoffenheit
Der Plan fordert, dass die verschiedenen Bereiche der kohlenstoffarmen Technologien „miteinander kommunizieren“. Derzeit führen fehlende Anreize und eine Kultur der Geheimhaltung von Anlagedaten zu einer Überprotektion von Daten. Dies wiederum hat mehrere Integrationshürden zur Folge, darunter:
Unvollständige und/oder fehlerhafte Datensätze.
Daten-Silos.
Datenhortung.
Mit der Digitalisierung soll stattdessen Folgendes erreicht werden:
Grundsätzlich offene Daten als Standard.
Ausreichende, standardisierte Daten.
Der richtige Einsatz von Infrastrukturen, Prozessen, Technologien und Kompetenzen.
Klare Regeln und Vorschriften, Kosten und Nutzen sowie Rollen und Verantwortlichkeiten.
(Die hier genannten Daten beziehen sich auf Systemdaten, also Daten zu Systembetrieb, Märkten und physischer Infrastruktur. Was dies im Einzelnen umfasst, wird nicht spezifiziert.)
Dieser Wandel erfordert neue Standards, Vorschriften, Dienstleistungen, Rollen und Institutionen (wie den Future System Operator – siehe Modo’s Erklärung hier). Ziel ist es, die Datenqualität, Transparenz und den Zugang zu verbessern.
Mehr Integration
Der Plan sieht außerdem vor, dass Haushalte und Unternehmen zu aktiven Teilnehmern am Energiesystem werden. Er erkennt die Herausforderungen an, „Millionen“ neuer Energieanlagen („jeweils mit potenziell unterschiedlichen Eigentümern“) in dasselbe System zu integrieren wie Anlagen großer, oft konkurrierender Organisationen.
Mit dem Eintritt neuer Energieanlagen in den Markt entstehen neue Datensätze, deren Erfassung und Verwaltung herausfordernd ist. Damit das System so reibungslos wie möglich funktioniert, müssen FSO und/oder Ofgem zudem voraussagen, wie diese Datensätze aussehen werden.

2. Aktuelle Hürden
Fehlende Innovationsanreize
Es gibt weitere Hindernisse, die den Fortschritt bei der Digitalisierung bremsen. Zum einen ist das erforderliche Investitionsvolumen erheblich. In einem sich schnell wandelnden Umfeld fehlt es an Stabilität. Organisationen sind verständlicherweise zurückhaltend, massiv in digitale Infrastrukturen zu investieren, die möglicherweise nicht flächendeckend übernommen werden. Das führt zu wahrgenommenen „First-Mover-Nachteilen“.
All diese Faktoren – einzeln oder zusammen – schrecken potenzielle Investoren und Akteure ab.
Mangel an passenden Richtlinien und Vorschriften
Wie oben beschrieben, verfügt der Sektor derzeit nicht über die koordinierten Standards und Infrastrukturen, die für einen einfachen Datenaustausch notwendig wären. Daher müssen Politik und Regulierung aktualisiert werden, um Investitionen besser zu unterstützen und zu fördern. Günstigere, flexible digitale Lösungen müssen gezielt gefördert und belohnt werden (hier kommt Innovate UK ins Spiel).
Datenmonopole
Derzeit gibt es keinen Anreiz, Daten transparenter zu machen. Zu viele Datensätze sind innerhalb großer Organisationen der öffentlichen Einsicht entzogen. Der Aktionsplan möchte sogenannte „Datenmonopole“ verhindern, bei denen Daten nur von einer Organisation oder einem Dienst bezogen werden können. Dies soll durch Anreize für Transparenz oder Anpassung der relevanten Vorschriften erreicht werden.
Radikaler Wandel nötig
Der Plan stellt klar, dass der günstigste und schnellste Weg zu Netto-Null nicht in einem umfassenden Umbau der bestehenden physischen Infrastruktur liegt. Stattdessen müssen wir auf Energie zurückgreifen, die bereits im System ist. Allerdings erfordert die Digitalisierung „radikale“ Veränderungen an einem bestehenden Energiesystem, das „nicht einfach abgeschaltet werden kann“. Daher müssen diese Veränderungen in Echtzeit stattfinden und sich am laufenden Betrieb des physischen Systems orientieren.
3. Was ist die Lösung?
Veränderungen koordinieren
In den letzten Jahren gab es einen starken Anstieg digitaler und datenbezogener Projekte im Energiesektor. Der Plan begrüßt dies, erkennt aber auch, dass dadurch ein dynamisches, aber unübersichtliches Aktivitätsfeld entsteht. Deshalb arbeitet Ofgem mit EnergyREV und Energy Systems Catapult am Catalogue of Projects on Energy Data – ein Prototyp wird für Sommer 2021 erwartet –, der den Beteiligten helfen soll, eine formellere Lösung zu entwickeln.
Der Plan hat zudem einen Mangel an Datenkompetenz und Fachkräften festgestellt, den die Lösungen der Green Jobs Taskforce der Regierung (deren Bericht vom Juli 2021 hier zu finden ist) überbrücken sollen. Darüber hinaus werden weitere Analysen durchgeführt, um Daten- und Digitalkompetenzen im gesamten Energiesektor zu verbessern.
Regulatorische Änderungen
Erwartungen an Daten und Digitalisierung wurden in die Ausgestaltung der RIIO-ED2-Regulierung (dem Anreizsystem für Verteilnetzbetreiber, DNOs) eingebaut. Ziel ist, dass DNOs sowohl die Energy Data Best Practice Guidance als auch die Digitalisation Strategy and Action Plan einhalten. Ofgem hat die DNOs bereits gebeten, diese Vorgaben freiwillig zu übernehmen, bis RIIO-ED2 in Kraft tritt.
Ofgem wird zudem die Meinungen der gesamten Energiebranche einholen, wie diese Vorgaben auch auf andere lizenzierte Unternehmen, wie Erzeuger und Lieferanten, angewendet werden können.
Weitere geplante Änderungen
BEIS, Ofgem und Innovate UK planen, einige wertvolle Datensätze und Prozesse zu überprüfen und diese mit der kommenden Energy Data Best Practice Guidance abzugleichen. Dies soll einen „engeren Feedback-Kreislauf zwischen Innovation, Regulierung und Politik“ schaffen.
Ofgem hat ein Data and Digital Insights Team gegründet, das derzeit an einem Strategic Change Programme für Daten und Digitalisierung arbeitet.
Regierung und Ofgem prüfen die Machbarkeit lokaler Kartierung und Planung, um lokalen Entscheidungsträgern Zugang zu qualitativ hochwertigen Daten zu verschaffen, die die lokale Strategie unterstützen.
BEIS, Ofgem und Innovate UK haben außerdem eine neue, unabhängige Energy Digitalisation Taskforce (EDiT) ins Leben gerufen, die Hürden erkennen, neue Prioritäten identifizieren und die Grundlage für künftige Maßnahmen schaffen soll.
Die Regierung entwickelt eine koordinierte Anmeldestrategie für kleinere Anlagen. Damit soll der Anmeldeprozess vereinfacht und die Sichtbarkeit kleinerer Anlagen erhöht werden.
Weitere geplante Projekte
Die Regierung finanziert ein Energy Data Visibility Project, das ein Tool zur Suche nach veröffentlichten Energiedaten mit bestimmten Anforderungen entwickeln soll.
Die Energy Networks Association entwickelt eine National Energy System Map. Diese wird Netzdaten integrieren und die Informationen als digitale Karte öffentlich zugänglich machen. (Proof of Concept für Q4 2021 geplant.)
Ofgem und Innovate UK arbeiten gemeinsam an der Umsetzung des neuen Strategic Innovation Fund. Die ersten Förderaufrufe (Q3 2021) konzentrieren sich auf Daten und Digitalisierung.
Innovate UK hat einen Wettbewerb mit einem Volumen von £3 Mio. gestartet, um sogenannte Modernising Energy Data Applications zu fördern.
4. Fazit
Wie in der Einleitung erwähnt, ist diese Strategie und der Aktionsplan verständlicherweise vage gehalten. Es wird erkannt, dass Energiedaten zu verstreut, zu versteckt oder von zu geringer Qualität sind, um auf dem Weg zu Netto-Null den gewünschten Wert zu bieten.
BEIS und Ofgem haben gemeinsam mit Innovate UK zahlreiche Projekte, Berichte und Taskforces ins Leben gerufen, um diese Probleme anzugehen. In Wirklichkeit sind sie aber noch dabei herauszufinden, was genau getan werden muss. Sie verstehen die Notwendigkeit größerer Datentransparenz und eines besseren Austauschs und sehen in der Digitalisierung den besten Weg, diese Ziele zu erreichen.
Entscheidend ist, dass sie auch erkennen, dass neue Vorschriften und bessere Anreize nötig sein werden, um Innovationen zu fördern. Wie diese Innovationen konkret aussehen werden, ist jedoch noch unklar. (Oder, falls es dazu schon Ideen gibt, wurden diese noch nicht veröffentlicht.) Dennoch sind das Bewusstsein für die Probleme im Bereich Energiedaten und die Bemühungen um digitale Lösungen zweifellos Schritte in die richtige Richtung.






